Fortbildung

Meister-Plus-Ausbildung »Gestalter im Handwerk«

Sich in Dingen und Materialien ausprobieren, die persönliche Wahrnehmung verfeinern, Herangehensweisen anderer kennenlernen, sich austauschen, Wissen vernetzen, Raum für Ideen bekommen – unabhängig von Kundenwünschen und Aufträgen. Neues aneignen, Bekanntes bereichern – wirtschaftlich und persönlich.

Die Weiterbildung »Gestalter im Handwerk« steht allen gestaltungs­interessierten Handwerkern offen. Eine wesentliche Bereicherung des Unterrichts ist hierbei die Teilnahme unterschiedlicher Gewerke in einer Gruppe. Man beschäftigt sich mit Aufgabenfeldern außerhalb seines Gewerks, lernt unterschiedliche Herangehensweisen und Denkstrukturen kennen und erhält dadurch einen neuen Blick auf seine eigene Arbeit.

Unsere Absicht liegt in der Vermittlung einer vielseitigen und fundierten Gestaltungskompetenz und in der Erweiterung handwerklicher Fertigkeiten. Durch die Vielfalt des Angebotes werden unter­ schiedlichste Zugänge in das Feld der Gestaltung möglich.
Ein weiteres Ziel ist ein praxisnaher und praktisch angelegter Unterricht. Die einzelnen Themen und Fächer greifen ineinander und bauen aufeinander auf.

Unsere Dozenten sind in ihrem jeweiligen Unterrichtsfach selbst tätig und daran interessiert, ihr Wissen im Austausch weiterzugeben – in den gestaltenden Fächern durchweg Absolventen der Burg Giebichen­stein Kunsthochschule Halle (Saale).

Im Kern der Fortbildung stehen das Wissen und die Möglichkeiten der Gestaltung, die Qualität der Produkte, der Innovationsgehalt im Zu­ sammenspiel von Ideenreichtum und Geschick.
Letztendlich bestärkt es den Wert – der Produkte, des Kunden, des Handwerks und des Handwerkers.

Nächster Kurs     Der nächste Fortbildungskurs startet am 23. Februar 2018 mit Modul 1.

Unterrichtszeiten     Der Unterricht erfolgt berufsbegleitend, etwa vierzehntägig am Freitag von 14.00 bis 20.30 Uhr und am Samstag von 9.00 bis 15.30 Uhr. Hinzu kommen einige ganztägige Blockwochen.

Struktur     Die gesamte Fortbildung umfasst gemäß Rahmenlehrplan des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) 1.200 Unterrichtsstunden, zuzüglich Exkursionsstunden. Abschließend ist eine Prüfung inklusive Prüfungsprojekt zu absolvieren. Die Fortbildung ist in drei aufeinander aufbauende Module unterteilt. Dies ermöglicht eine Unterbrechung der Fortbildung und die Verpflichtung ist auf ein Modul begrenzt.

Dauer     Die reine Unterrichtszeit umfasst zweieinhalb Jahre.

Abschlussprüfung     Den formellen Rahmen zum anerkannten Abschluss auf der Meister­ Plus-Ebene sichert die Handwerkskammer Halle (Saale) mit der abschließenden Fortbildungsprüfung »Gestalter im Handwerk«. Gegenstand der Prüfung ist das Prüfungsprojekt – bestehend aus Projektarbeit, Dokumentation und Präsentation – sowie die im Fortbildungsunterricht entstandenen Arbeiten. Die Prüfung wird durch den »Fortbildungsprüfungsausschuss Gestalter im Handwerk« (FPA) abgenommen.

Abschluss      Die Gestaltungsausbildung wird seit über dreißig Jahren in Deutsch­ land angeboten und vom Zentralverband des deutschen Handwerks als sogenannte Meister-Plus-Ausbildung eingestuft. Das erfolgreiche Bestehen der Prüfung berechtigt zur Führung des Titels »Gestalter im Handwerk«. Formal ermöglicht der Abschluss die Zulassung zur Selbständigkeit nach Ausnahmebewilligung.

Anmeldung

Anne Holderied

0345-23117-15
kontakt@kgh-halle.de
Anmeldeformular

Lehrinhalte

Freihandzeichnen und Naturstudium

Die sichtbaren Eigenschaften einer Form zu erkennen und diese zeichnerisch darzustellen, steht im Mittelpunkt des Naturstudiums. Es werden Aufgaben und Übungen zu diversen Naturformen, technischen Formen und zum Thema Architektur behandelt.
Ziel des Naturstudiums ist es, eine zeichnerische Kompetenz zu entwickeln, um im Berufsalltag Ideen zeichnerisch klar und plausibel darstellen zu können.


Gestaltungslehre

In der Gestaltungslehre werden Übungen und Untersuchungen zu den unterschiedlichsten bildnerischen Grundproblemen angefertigt. Im Mittelpunkt stehen Aufgaben zur Flächengestaltung, zu Kontrasten und verschiedensten Anordnungen von Formzusammenhängen. Es geht darum, sich mit der Problematik der Komposition und Proportion im zweidimensionalen Raum unter der Wechselwirkung von Farbe und Form auseinander zu setzen. Das Arbeitsfeld liegt dabei zwischen angewandter und freier Aufgabe, dem Erkennen und bewussten Einsetzen gestalterischer Ordnungen.


plastisches Gestalten

Eine Auseinandersetzung mit dreidimensionalen, abstrakten Formen, aus denen freie oder funktionale Objekte entwickelt werden.
Dabei geht es um Formqualität, Formzusammenhang und Rhythmus, um die Auseinandersetzung mit Proportionen und die Beziehungen zwischen Form und Farbe bzw. Form und Funktion. Die handwerklich praktische Arbeit mit Ton beinhaltet die Chance zur unmittelbar sinnlichen Erfahrbarkeit eines vielseitigen Materials, zur Wahrnehmung und Nutzung der ihm immanenten Eigenschaften im Sinne der gestalterischen Idee.


skulpturales Gestalten

Zeichnerische und plastische Entwurfsskizzen sowie ein Besuch im Bildhaueratelier bilden den Einstieg zum skulpturalen Arbeitsprozess am Holzblock.
Mit traditionellen Bildhauerwerkzeugen werden unter der Berücksichtigung von Fragen zur Bedeutung skulpturaler Qualität und zur Materialgerechtigkeit von Holz im Unterschied zu Ton oder Metall grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten erprobt. Hierbei geht es neben der Rückkopplung zum Naturstudium und der Bedeutung unterschiedlicher Formqualitäten auch um die Entwicklung einer zielgerichteten Formensprache.


Farbenlehre

Die Geschichte der Farbe, ihr Einsatz und ihre Wirkung werden in der Farbenlehre vorgestellt und erprobt. Dazu gehören die verschiedenen Farbsysteme, die Erarbeitung der diversen Kontraste und deren Ausdruck.


Typografie / Schriftgestaltung

Typografie
Schrift ist der Träger von Information. Noch nie wurde derart viel publiziert wie heute. Die Verwendung der Handschrift tritt zurück zu Gunsten von digital erzeugter Schrift. Jedermann kann heute professionell Schrift verwenden ohne das Handwerk des Schriftsetzers oder Typografen gelernt zu haben.
Im Typografie-Kurs werden deshalb Fragen geklärt wie: Welche von 1000 Schriften paßt zu meiner Aussage? Wie kann man Schriften unterscheiden? Wie läßt sich ein Text leserlich gestalten? U.v.m.

Schriftgestaltung
Auf der Römischen Kapitalis basierend, die uns in ihren historischen Buchstabenformen voller Schönheit und Harmonie einen Fundus von Gesetzmäßigkeiten der Gestaltung vorlegt, entwickelt sich eine Grundlehre der Schriftgestaltung, die sich mit dem speziellen Untersuchungsbereich, dem Zeichensystem Alphabet, sowie mit dem Formobjekt Buchstabe auseinandersetzt.
Aus der Beschäftigung mit Schrift, aus der Visualisierung von Formzusammenhängen und –abhängigkeiten resultieren allgemeine Kenntnisse der Gestaltung, es sensibilisieren sich Formbewusstsein und Formgefühl.
Im Berufsleben spielt die Anwendung von Schrift in unterschiedlicher Weise eine Rolle. Dies geschieht direkt durch ihren vielfältigen typografischen Einsatz in Informations- und Kommunikationsmedien, in der grafikdesignerischen Zeichenfindung und ebenso im Schreiben selbst als kalligrafische Anwendung.


Materialkunde

Holz, Metall, Erden, Papier, Textil… jedes Material hat besondere sinnliche und ästhetische Reize, die über Strukturen, Texturen und Farbe begreifbar sind. Wir untersuchen den Sinn und Eigensinn unterschiedlicher Materialien in Bezug auf Form und Gestaltung.
Die Verwendung von Natur- und Kunststoffen führt dabei zu unkonventionellen, überraschenden Lösungen mit experimentellen, modellhaftem Charakter. Entstehen werden Applikationen, Collagen, Montagen, Materialbilder, Montagebilder, Mobiles und plastische Objekte.


Kunst- und Kulturgeschichte, Design- und Architekturgeschichte

Viele der Kunstwerke früherer Epochen wurden von Handwerker*innen geschaffen. Die sich im Zuge der Industrialisierung vollziehende Trennung von Kunst, Handwerk und Massenproduktion setzte im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Gegenbewegung, die Kunstgewerbe-Bewegung, in Gang. Hier ist auch der Begriff des »Kunsthandwerkers« zu verorten, da Handwerker sich durch Gestaltung ihrer Produkte von der industriellen Produktion abzugrenzen suchten.
Der Kurs vermittelt einen grundlegenden Zugang zur Kunstgeschichte, welcher die Teilnehmer befähigt, sich selbstständig mit den für sie relevanten Themen auseinanderzusetzen.


Designrecht

Im Kurs werden Fragen zu den Rechten, Pflichten und Möglichkeiten eines Gestalters unter Berücksichtigung der teilnehmenden Gewerke beantwortet. Welche Möglichkeiten hat ein Gestalter, um seine Ideen zu schützen? Ist ein Geschmacksmuster die beste Lösung? Was muss dabei beachtet werden? Wer unterstützt mich dabei?


Marketing

Welche Kunden möchte ich erreichen? Wie ist meine Wirkung nach außen? Wo liegen meine Besonderheiten? Wie gestalte ich einen ansprechenden Messestand? Diese und ähnliche Fragen werden in Bezug auf die vertretenen Gewerke praxisbezogen behandelt und die Möglichkeit zur Erstellung des eigenen Firmenprofils gegeben.


Fotografie

Ziel des Kurses ist die Vermittlung kameratechnischer Grundlagen und Funktionsweisen des Fotoapparats. Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses ist die digitale Bildbearbeitung und Aufbereitung der Bilddaten für andere Medien mit dem Programm Photoshop. Eine kurze Einführung in Open Source Software wird ebenfalls ein Thema sein. Im Mittelpunkt des Kurses steht die praktische Inszenierung und Dokumentation von eigenen Produkten und Ideen.


Layout

Mit Hilfe des Computers kann heute jeder vielfältigste Drucksachen selbst gestalten. Schnell und günstig lassen sich diese beispielsweise von Online-Druckereien produzieren. Im Layout-Kurs wird anhand der Medien einer Geschäftsausstattung (Erscheinungsbild, Visitenkarte, Flyer, Briefbogen, Internetseite) gezeigt, wie Informationen sinnvoll strukturiert werden, wie man die Aussagekraft einer Drucksache durch ihre Gestaltung erhöhen kann und was bei der Druckdaten-Vorbereitung zu bedenken ist.
Gearbeitet wird mit der professionellen Layout-Software Adobe InDesign, mögliche Freeware wird vorgestellt.


CAD

Ziel des Kurses ist es, das Potential von CAD (»computer-aided-design« – »rechnergestütztes Entwerfen«) zu eröffnen und die Teilnehmer in Fertigkeiten wie Modellierung, Rendern und digitaler Printausgabe von 3D-Modellen ihrer Arbeiten auszubilden. Dazu werden die Inhalte Modellierung mit Freiformflächen, Überführung einer Skizze in den 3D-Raum und Ausleuchtung sowie Ausgabe des Modells für unterschiedliche Präsentationsmethoden (Print/Screen) behandelt. Die im Kurs benötigten Grundlagen zur Beherrschung der Software werden den Teilnehmer*innen genauso vermittelt wie die gewerbespezifischen Möglichkeiten durch Beherrschung einer CAD-Software.


Rhetorik

Diese Seminarreihe bietet einen theoretischen und praktischen Einblick in die Prozesse der Kommunikation. Die Teilnehmer erlernen Argumentationstechniken, arbeiten an der Verbesserung ihrer Redekompetenz und schulen ihr Zuhör- und Gesprächsverhalten.


Kreativitätstraining

Ist Kreativität erlernbar? Gestaltung erfordert einen mobilen Geist.
Wir setzen uns mit diversen Begriffen auseinander und spüren Denkansätze und Lösungswege auf, das heißt Querdenken, Erfinden, Provozieren – von der Ideensuche, Inspiration und Intention bis hin zur Ausformung. Wir erarbeiten modellhafte Körper, die nach bestimmten Ordnungsprinzipien wie Rhythmus und Reihung in Form und Funktion entstehen.


gestalterische Entwurfsarbeit

Der Kurs vermittelt Techniken zur selbstständigen Bewältigung komplexer Gestaltungsprozesse. Es werden sowohl Wege der konzeptionellen Annäherung (Brainstorming, narrative Zeichenmethoden, Stimmungscollagen) erprobt, wie auch verschiedene Arten dreidimensionaler Entwurfstechniken, die zur Bearbeitung gestalterischer wie konstruktiver Probleme unerlässlich sind (Mock-Ups, Papiermodelle, Szenarios). Dabei werden die Teilnehmer in ihren kreativen und handwerklichen Fähigkeiten und der Vermittlung der eigenen Ideen gefordert und gefördert.

Ein Entwurf ist nicht nur die reine Idee, sondern auch ihre Darstellung und ihre Präsentation in Form von Texten, Zeichnungen, Grafiken und Modellen zur Kommunikation und Veranschaulichung der Gestaltungsidee.
Inspirationsquellen sind kleine, selbst angefertigte Collagen und wörtlichen Beschreibungen. Diese machen die Gestaltungsidee greifbar und dienen als Leitfaden für die weitere Entwurfsarbeit.
Ziel des Fachs ist nicht die Präzision des Modells, sondern die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten und das Erlernen möglicher Prozesse der Ideenfindung.


komplexe Gestaltungsaufgaben

Hier werden die im Fach »gestalterische Entwurfsarbeit« erlernten Techniken praxisbezogen und gewerkbezogen angewendet.
Zur Übung des Prozesses – von Inspirationensuche, Recherche, Entwicklung eines Konzeptes, Erstellen von Skizzen und Modellen, Überprüfung auf Machbarkeit und gegebenenfalls Ergonomie und Funktion – werden unterschiedliche Aufgaben unter Berücksichtigung der vertretenen Gewerke gestellt.
Am Ende steht die Veranschaulichung der Gestaltungsidee im Vordergrund. Dabei gilt es die Idee in ihrem gesamten Entwicklungsprozess in Form von Texten, Skizzen und Modellen vorzustellen.

Die Stärke im Produkt – manche Produkte faszinieren uns, andere erscheinen uns beliebig. Aber es ist nicht unbedingt eine Frage des Geschmacks, welche uns dabei leitet. Wir beschäftigen uns mit Funktion, Nutzen und Wirkung von Produkten. Dabei sind die Geschichten, die hinter einer Produktidee stehen interessant. Sie berichten von tollen Entdeckungen, einer intelligenten Verknüpfung oder einer besseren Idee. Anhand ausgewählter Szenarien werden die Teilnehmer eigene Geschichten und Produktideen entwickeln. Ziel ist das Erkennen und Finden einer persönlichen, zielorientierten und zugleich prozessorientierten Sichtweise – eine übergeordnete Sichtweise, aus der die Stärke des Produktes hervorgehen darf.


Fachprüfungsausschuss

»Gestalter im Handwerk«

Der Fachprüfungsausschuss wurde im November 2016 durch die Vollversammlung der Handwerkskammer Halle (Saale) auf fünf Jahre berufen:

Steffi Affenbauer   Dipl. Designerin, künstl. Mitarbeiterin der Burg(Keramik/Glas), Dozentin des KGH
Kerstin Bieler   Goldschmiedemeisterin, Gestalterin im Handwerk des KGH
Anne Holderied   Dipl. Kunstpädagogin, Leiterin des Kompetenzzentrums »Gestalter im Handwerk« und Vorsitzende des Fachprüfungsausschusses »Gestalter im Handwerk«
Detlef Lewandowski   Dilp. Designer, ehem. künstl. Mitarbeiter der Burg
Prof. Hubert Kittel   Dipl. Designer, ehem. Professor für Produktdesign (Keramik/Glas) der Burg
Dirk Neumann   Dipl. Grafiker, freier Dozent, Dozent des KGH
Susann Reinhardt-Patel   Metallbauerin FR Metallgestaltung, Gestalterin im Handwerk des KGH


Zentralverband des deutschen Handwerks

»Gestaltung ist die bewusste und zweckorientierte Gestaltung von Gebrauchsgegenständen, Verfahren und Kommunikation. Sie bedient sich einer Vielfalt von künstlerischem, soziologischem, psychologischem und technischem Wissen, um attraktive Produkte für den Alltag zu schaffen.

Ergänzend zum industriellen Produktdesign besteht seit jeher ein Markt für qualifizierte handwerkliche Gestaltung. Dieses Segment wird von Gestalter im Handwerk bedient, die ihren Kunden individuell zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen anbieten.«