Fortbildung

»Gestalter*in im Handwerk«

Die Meister-Plus-Ausbildung »Gestalter*in im Handwerk« richtet sich an Handwerker*innen gestaltender Berufe. Ihr Ziel ist die Vermittlung einer vielseitigen und fundierten Gestaltungskompetenz als Ergänzung der handwerklichen Fertigkeiten. Die einzelnen Fächer greifen ineinander und bauen aufeinander auf. Der Gewerke übergreifende Unterricht, gibt Einblicke in die Herangehensweise anderer, bereichert den Unterricht und bietet die Möglichkeit der Vernetzung. Das Experimentieren mit Formen und Materialien, ein praxisorientierter Unterricht und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themenbereichen der Gestaltung, sind dabei nur einige der wesentlichen Aspekte der Fortbildung.

Digitale PDF-Variante zum Download: Fortbildungsflyer 2016

Die Abschlussprüfung wird gemeinsam mit der Handwerkskammer Halle / Saale abgenommen. Das erfolgreiche Bestehen der Prüfung berechtigt zur Führung des anerkannten Meister-Plus-Titels »Gestalter*in im Handwerk«.

Die Handwerkskammer Halle stellt darüber ein Zeugnis aus. Die Fortbildung wird seit nunmehr 30 Jahren in Deutschland erfolgreich durchgeführt und von der Handwerkskammer als sogenannte Meister-Plus-Ausbildung eingestuft. Der Lehrplan und die Prüfungsordnung basieren auf den Erfahrungen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Start 28. Mai 2016  Bewerbung zur Fortbildung ab jetzt möglich.

Dauer zweieinhalb Jahre, berufsbegleitender, vierzehntägiger Unterricht mit einzelnen Wochenblöcken

Unterrichtszeiten Freitag 14–20.30 Uhr, Samstag 9–15.30 Uhr

Struktur modulare Fortbildung, insgesamt 1.200 Unterrichtsstunden gemäß Rahmenlehrplan des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH)

  • Modul 1: 28. Mai 2016 – 28. Februar 2017
  • Modul 2: 2017 (in Planung)
  • Modul 3: 2017/2018 (in Planung)

Abschluss Den formellen Rahmen zum anerkannten Abschluss auf der Meister-Plus-Ebene sichert die Handwerkskammer Halle (Saale) mit der abschließenden Fortbildungsprüfung »Gestalter*in im Handwerk«. Die Prüfung wird durch den »Fortbildungsprüfungsausschuss Gestalter*in im Handwerk« (FPA) abgenommen. Das erfolgreiche Bestehen der Prüfung berechtigt zur Führung des Titels »Gestalter* im Handwerk«.
Formal ermöglicht der Abschluss die Zulassung zur Selbstständigkeit nach Ausnahmebewilligung.

Information     Anne Holderied, 0345-23117-15, holderied@kgh-halle.de

Prüfung     Gegenstand der Prüfung ist das Prüfungsobjekt – bestehend aus Projektarbeit, Dokumentation und Präsentation vor der Prüfungskommission – sowie, die in der Fortbildung entstandenen Arbeiten.

Teilnehmer*innengebühr    Die Teilnehmergebühr*innengebühr des ersten Moduls beträgt 1.600 €, zuzüglich materielle Grundausstattung und Ausgaben für Exkursionen.
Es gibt eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, zu denen wir Sie gerne beraten. Es ist zu beachten, dass die Zuwendungen bei einigen Fördereinrichtungen bis zu acht Wochen vor dem geplanten Projektbeginn schriftlich und formgebunden zu beantragen sind.

Historie     Das Kompetenzzentrum »Gestalter im Handwerk« startete 2010 als Projekt des Vereins Künstlerhaus 188 und wurde in der Zeit vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2014 durch den Europäischen Sozialfonds und das Land Sachsen-Anhalt gefördert.
Nach der erfolgreichen Durchführung zweier Meister-Plus-Kurse arbeiten wir derzeit an der Überführung in ein dauerhaftes Angebot.

Anmeldeformular

Lehrinhalte

Freihandzeichnen und Naturstudium

Die sichtbaren Eigenschaften einer Form zu erkennen und diese zeichnerisch darzustellen, steht im Mittelpunkt des Naturstudiums. Es werden Aufgaben und Übungen zu diversen Naturformen, technischen Formen und zum Thema Architektur behandelt.
Ziel des Naturstudiums ist es, eine zeichnerische Kompetenz zu entwickeln, um im Berufsalltag Ideen zeichnerisch klar und plausibel darstellen zu können.

Dozent: Dirk Neumann


Gestaltungslehre

In der Gestaltungslehre werden Übungen und Untersuchungen zu den unterschiedlichsten bildnerischen Grundproblemen angefertigt. Im Mittelpunkt stehen Aufgaben zur Flächengestaltung, zu Kontrasten und verschiedensten Anordnungen von Formzusammenhängen. Es geht darum, sich mit der Problematik der Komposition und Proportion im zweidimensionalen Raum unter der Wechselwirkung von Farbe und Form auseinander zu setzen. Das Arbeitsfeld liegt dabei zwischen angewandter und freier Aufgabe, dem Erkennen und bewussten Einsetzen gestalterischer Ordnungen.

Dozent: Dirk Neumann


plastisches Gestalten

Eine Auseinandersetzung mit dreidimensionalen, abstrakten Formen, aus denen freie oder funktionale Objekte entwickelt werden.
Dabei geht es um Formqualität, Formzusammenhang und Rhythmus, um die Auseinandersetzung mit Proportionen und die Beziehungen zwischen Form und Farbe bzw. Form und Funktion. Die handwerklich praktische Arbeit mit Ton beinhaltet die Chance zur unmittelbar sinnlichen Erfahrbarkeit eines vielseitigen Materials, zur Wahrnehmung und Nutzung der ihm immanenten Eigenschaften im Sinne der gestalterischen Idee.

Dozentin: Renée Reichenbach


skulpturales Gestalten

Zeichnerische und plastische Entwurfsskizzen sowie ein Besuch im Bildhaueratelier bilden den Einstieg zum skulpturalen Arbeitsprozess am Holzblock.
Mit traditionellen Bildhauerwerkzeugen werden unter der Berücksichtigung von Fragen zur Bedeutung skulpturaler Qualität und zur Materialgerechtigkeit von Holz im Unterschied zu Ton oder Metall grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten erprobt. Hierbei geht es neben der Rückkopplung zum Naturstudium und der Bedeutung unterschiedlicher Formqualitäten auch um die Entwicklung einer zielgerichteten Formensprache.

Dozent: Jan Thomas


Farbenlehre

Die Geschichte der Farbe, ihr Einsatz und ihre Wirkung werden in der Farbenlehre vorgestellt und erprobt. Dazu gehören die verschiedenen Farbsysteme, die Erarbeitung der diversen Kontraste und deren Ausdruck.

Dozent: Dirk Neumann


Typografie

Schrift ist der Träger von Information. Noch nie wurde derart viel publiziert wie heute. Die Verwendung der Handschrift tritt zurück zu Gunsten von digital erzeugter Schrift. Jedermann kann heute professionell Schrift verwenden ohne das Handwerk des Schriftsetzers oder Typografen gelernt zu haben.
Im Typografie-Kurs werden deshalb Fragen geklärt wie: Welche von 1000 Schriften paßt zu meiner Aussage? Wie kann man Schriften unterscheiden? Wie läßt sich ein Text leserlich gestalten? U.v.m.

Dozent: Helmut Stabe


Materialkunde

Holz, Metall, Erden, Papier, Textil… jedes Material hat besondere sinnliche und ästhetische Reize, die über Strukturen, Texturen und Farbe begreifbar sind. Wir untersuchen den Sinn und Eigensinn unterschiedlicher Materialien in Bezug auf Form und Gestaltung.
Die Verwendung von Natur- und Kunststoffen führt dabei zu unkonventionellen, überraschenden Lösungen mit experimentellen, modellhaftem Charakter. Entstehen werden Applikationen, Collagen, Montagen, Materialbilder, Montagebilder, Mobiles und plastische Objekte.

Dozentin: Claudia Baugut


Kunst- und Kulturgeschichte, Design- und Architekturgeschichte

Viele der Kunstwerke früherer Epochen wurden von Handwerker*innen geschaffen. Die sich im Zuge der Industrialisierung vollziehende Trennung von Kunst, Handwerk und Massenproduktion setzte im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Gegenbewegung, die Kunstgewerbe-Bewegung, in Gang. Hier ist auch der Begriff des »Kunsthandwerkers« zu verorten, da Handwerker sich durch Gestaltung ihrer Produkte von der industriellen Produktion abzugrenzen suchten.
Der Kurs vermittelt einen grundlegenden Zugang zur Kunstgeschichte, welcher die Teilnehmer befähigt, sich selbstständig mit den für sie relevanten Themen auseinanderzusetzen.

Dozentin: Dr. Kristina Bake


Designrecht

Im Kurs werden Fragen zu den Rechten, Pflichten und Möglichkeiten eines Gestalters unter Berücksichtigung der teilnehmenden Gewerke beantwortet. Welche Möglichkeiten hat ein*e Gestalter*in, um seine Ideen zu schützen? Ist ein Geschmacksmuster die beste Lösung? Was muss dabei beachtet werden? Wer unterstützt mich dabei?


Marketing

Welche Kunden möchte ich erreichen? Wie ist meine Wirkung nach außen? Wo liegen meine Besonderheiten? Wie gestalte ich einen ansprechenden Messestand? Diese und ähnliche Fragen werden in Bezug auf die vertretenen Gewerke praxisbezogen behandelt und die Möglichkeit zur Erstellung des eigenen Firmenprofils gegeben.


Fotografie

Ziel des Kurses ist die Vermittlung kameratechnischer Grundlagen und Funktionsweisen des Fotoapparats. Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses ist die digitale Bildbearbeitung und Aufbereitung der Bilddaten für andere Medien mit dem Programm Photoshop. Eine kurze Einführung in Open Source Software wird ebenfalls ein Thema sein. Im Mittelpunkt des Kurses steht die praktische Inszenierung und Dokumentation von eigenen Produkten und Ideen.

Dozent: Matthias Ritzmann


Layout

Mit Hilfe des Computers kann heute jeder vielfältigste Drucksachen selbst gestalten. Schnell und günstig lassen sich diese beispielsweise von Online-Druckereien produzieren. Im Layout-Kurs wird anhand der Medien einer Geschäftsausstattung (Erscheinungsbild, Visitenkarte, Flyer, Briefbogen, Internetseite) gezeigt, wie Informationen sinnvoll strukturiert werden, wie man die Aussagekraft einer Drucksache durch ihre Gestaltung erhöhen kann und was bei der Druckdaten-Vorbereitung zu bedenken ist.
Gearbeitet wird mit der professionellen Layout-Software Adobe InDesign, mögliche Freeware wird vorgestellt.

Dozent: Helmut Stabe


CAD

Ziel des Kurses ist es, das Potential von CAD (»computer-aided-design« – »rechnergestütztes Entwerfen«) zu eröffnen und die Teilnehmer in Fertigkeiten wie Modellierung, Rendern und digitaler Printausgabe von 3D-Modellen ihrer Arbeiten auszubilden. Dazu werden die Inhalte Modellierung mit Freiformflächen, Überführung einer Skizze in den 3D-Raum und Ausleuchtung sowie Ausgabe des Modells für unterschiedliche Präsentationsmethoden (Print/Screen) behandelt. Die im Kurs benötigten Grundlagen zur Beherrschung der Software werden den Teilnehmer*innen genauso vermittelt wie die gewerbespezifischen Möglichkeiten durch Beherrschung einer CAD-Software.

Dozent: Daniel Ackermann


Rhetorik

Diese Seminarreihe bietet einen theoretischen und praktischen Einblick in die Prozesse der Kommunikation. Die Teilnehmer*innen erlernen Argumentationstechniken, arbeiten an der Verbesserung ihrer Redekompetenz und schulen ihr Zuhör- und Gesprächsverhalten.

Dozentin: Franziska Buschbeck


Kreativitätstraining

Ist Kreativität erlernbar? Gestaltung erfordert einen mobilen Geist.
Wir setzen uns mit diversen Begriffen auseinander und spüren Denkansätze und Lösungswege auf, das heißt Querdenken, Erfinden, Provozieren – von der Ideensuche, Inspiration und Intention bis hin zur Ausformung. Wir erarbeiten modellhafte Körper, die nach bestimmten Ordnungsprinzipien wie Rhythmus und Reihung in Form und Funktion entstehen.

Dozentin: Claudia Baugut


gestalterische Entwurfsarbeit

Der Kurs vermittelt Techniken zur selbstständigen Bewältigung komplexer Gestaltungsprozesse. Es werden sowohl Wege der konzeptionellen Annäherung (Brainstorming, narrative Zeichenmethoden, Stimmungscollagen) erprobt, wie auch verschiedene Arten dreidimensionaler Entwurfstechniken, die zur Bearbeitung gestalterischer wie konstruktiver Probleme unerlässlich sind (Mock-Ups, Papiermodelle, Szenarios). Dabei werden die Teilnehmer*innen in ihren kreativen und handwerklichen Fähigkeiten und der Vermittlung der eigenen Ideen gefordert und gefördert.

Dozent: Yi-Cong Lu

Ein Entwurf ist nicht nur die reine Idee, sondern auch ihre Darstellung und ihre Präsentation in Form von Texten, Zeichnungen, Grafiken und Modellen zur Kommunikation und Veranschaulichung der Gestaltungsidee.
Inspirationsquellen sind kleine, selbst angefertigte Collagen und wörtlichen Beschreibungen. Diese machen die Gestaltungsidee greifbar und dienen als Leitfaden für die weitere Entwurfsarbeit.
Ziel des Fachs ist nicht die Präzision des Modells, sondern die Vielfalt der Darstellungsmöglichkeiten und das Erlernen möglicher Prozesse der Ideenfindung.

Dozentin: Steffi Auffenbauer


komplexe Gestaltungsaufgaben

Hier werden die im Fach »gestalterische Entwurfsarbeit« erlernten Techniken praxisbezogen und gewerkbezogen angewendet.
Zur Übung des Prozesses – von Inspirationensuche, Recherche, Entwicklung eines Konzeptes, Erstellen von Skizzen und Modellen, Überprüfung auf Machbarkeit und gegebenenfalls Ergonomie und Funktion – werden unterschiedliche Aufgaben unter Berücksichtigung der vertretenen Gewerke gestellt.
Am Ende steht die Veranschaulichung der Gestaltungsidee im Vordergrund. Dabei gilt es die Idee in ihrem gesamten Entwicklungsprozess in Form von Texten, Skizzen und Modellen vorzustellen.

Dozentin: Steffi Auffenbauer

Die Stärke im Produkt – manche Produkte faszinieren uns, andere erscheinen uns beliebig. Aber es ist nicht unbedingt eine Frage des Geschmacks, welche uns dabei leitet. Wir beschäftigen uns mit Funktion, Nutzen und Wirkung von Produkten. Dabei sind die Geschichten, die hinter einer Produktidee stehen interessant. Sie berichten von tollen Entdeckungen, einer intelligenten Verknüpfung oder einer besseren Idee. Anhand ausgewählter Szenarien werden die Teilnehmer*innen eigene Geschichten und Produktideen entwickeln. Ziel ist das Erkennen und Finden einer persönlichen, zielorientierten und zugleich prozessorientierten Sichtweise – eine übergeordnete Sichtweise, aus der die Stärke des Produktes hervorgehen darf.

Dozentin: Stephanie Knust


Zentralverband des deutschen Handwerks

»Gestaltung ist die bewusste und zweckorientierte Gestaltung von Gebrauchsgegenständen, Verfahren und Kommunikation. Sie bedient sich einer Vielfalt von künstlerischem, soziologischem, psychologischem und technischem Wissen, um attraktive Produkte für den Alltag zu schaffen.

Ergänzend zum industriellen Produktdesign besteht seit jeher ein Markt für qualifizierte handwerkliche Gestaltung. Dieses Segment wird von Gestalter*innen im Handwerk bedient, die ihren Kunden individuell zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen anbieten.«